Kölner DomUnd schon wieder ist ein Ziegen- aber auch ein Menschenjahr rum. Es gab 2015 etliche Ärgernisse. Wollen wir uns aber an die erinnern? Eigentlich doch nicht! Wir nutzen statt dessen die Gelegenheit für einen kleinen Rückblick auf 2015 mit netten Geschichten und schönen Bilder.

Das Jahr 2015 beginnt freundlich. Jedenfalls für die Leute, die ein 200 Jahre altes - im wesentlichen im Originalzustand befindliches - Reetdachhaus beheizen müssen: Es ist mild und kein Schnee oder Frost weit und breit. Das macht die Arbeit auf dem alten Hof schon sehr viel einfacher.das einzig wahre Andererseits werden wir uns im Sommer wünschen, dass wenigstens ein paar kalte Nächte den Stechmücken zugesetzt hätten. Nun ja, so bleibt es norddeutsch stürmisch, nass und mild. Wenn man Schnee unbedingt braucht, kann man ja immer noch dorthin fahren, wo es ihn gibt. Zum Beispiel bei meinem Bruder in den Vogesen.

Im Winter ist auch Zeit für die eine oder andere Renovierungsaktion: Unsere Besucher werden sich mit Sicherheit an den völlig verrotteten Schuppen am Hofeingang erinnern, intern etwas beschönigend "Carport" genannt.

Vor einiger Zeit hatte ja Max Bahr Pleite gemacht, sehr zu unserem Bedauern. Allerdings konnten wir da beim Abverkauf ziemlich günstig an Bitumen-Wellplatten kommen. Nicht, dass das wirklich eine tolle Dachdecker-Lösung wäre. Aber die nächsten zehn Jahre werden die Dinger schon halten und dann sehen wir wieder weiter.

carportEs ging also zur Sache und das seit langer Zeit geplante Projekt kam endlich in Gang (yeahyeahyippiyippi - ach nein, das war ja die Konkurrenz). Jetzt haben wir einen schönen, dichten Unterstand für Holder & Harley. Es fehlt nur noch eine Frontverkleidung, damit der Westwind nicht immer so reinpfeift oder der Herbstnebel alles unter Wasser setzt.

Die Winterausflügler unter Euch werden aber schon das diesbezügliche Provisorium aus einer alten Plane bemerkt haben. Das funktioniert gut und hat bereits diverse Herbststürme überstanden. Und man kennt das ja, Provisorien halten immer am längsten.

Überhaupt sind wir im Recycling ziemlich gut: Der alte Fetzen hatte schon ein paar Jahre auf dem Buckel und bei einem Nachbarhof jahrelang ein Loch im Dach abgedeckt. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht ärgern muss, wenn der Sturm die Plane vollends zerreisst. Man sie beherzt wegwerfen kann, wenn sie denn wirklich zu gar nichts mehr zu gebrauchen ist. Aber auch erst dann ;-)

neugeborenIch sehe schon, ich halte mich auf. Wir sind erst bei Februar. Aber das ist ja auch der tollste Monat im Jahr. Nicht, weil die Tage spürbar länger werden und man mit eiskalten Fingern irgendwelche zugigen Basteleien auf dem Hof fertigstellt. Nein, natürlich weil das neue Ziegenjahr beginnt!

Irgendwann beschließt nämlich eine unserer Ziegen, den Anfang zu machen. Da kann man hin- und herrechnen, Deckzeitpunkte bestimmen, Ultraschalluntersuchungen machen. Und dann liegt es trotzdem plötzlich einfach im Stroh, das erste Zicklein des Jahres. Dieses neue Leben ist schon immer wieder toll und ein ganz großes Wunder! Und natürlich kennen wir unsere Ziegen so gut, dass wir auch ohne Statistik wissen, wer wohl das Rennen machen wird ;-)

So eine Ablammsaison kann durchaus auch mal in Stress ausarten, je nachdem, wie die Ziegen sich an den Plan halten. Dieses Jahr war alles vorbildlich und sehr angenehm terminiert, so dass sich die nächtlichen Kontrollgänge doch im Rahmen gehalten haben.

Auch sonst war der Aufwand überschaubar: Die ersten zwei Tage gönnen wir der Mutter mit ihren Kleinen ein Séparée, damit sich alle Beteiligten in Ruhe von den Strapazen der Geburt erholen können und die Kleinen erst einmal richtig laufen lernen, bevor sie den anderen in die Quere geraten.

Wenn jetzt aber viele Ziegen auf einmal ablammen, haben wir ein Problem: Der Stall muss mit Absperrungen in viele kleine Abteile aufgeteilt werden, über welche man dann klettern muss, um die einzelnen Buchten zu versorgen. Das macht es sehr kompliziert und umständlich. Aber wie gesagt, dieses Jahr alles easy. Wer sich nicht an den sausenden Gremlins satt sehen kann findet hier noch einige Bilder vom Frühjahr.

wolkenheuwagenIm März gehen weitere Projekte voran. Über dieses hier möchte ich eigentlich gar nicht öffentlich reden, es ist einfach zu peinlich. Naja, vielleicht erkennt sich ja der eine oder andere wieder und muss ein wenig schmunzeln.

Es begab sich also, dass das Heuwägelchen der Jungs, draussen auf der Bockweide, die Grätsche gemacht hat. Salto kopfüber in den Graben. Ein doofer Konstruktionsfehler, zu viel Dachfläche und zu wenig Gewicht. Obwohl so ein Ballen und das Fahrgestell sicher zusammen ihre 400 kg machen. Trotzdem reicht eine ordentliche Böe (so ab Bft 8) und das Ding ist weg. Das spricht ja an sich für meine Ingenieurskunst, die Konstruktion als solche hat doch prima gehalten. Vielleicht können wir künftig die Heuballen ja einfliegen?

Also flugs das Ding wieder aufgebaut, die Jungs wollen ja schliesslich was zu fressen haben und wir wollen keine Säcke mit Heu über die Weide schleppen. Und soo schnell würde wohl nicht schon wieder so ein richtiger Orkan kommen.

Dachte ich. Natürlich hätte ich es auch wissen können, aber man ignoriert instinktiv gerne Sachen, die einem zusätzlichen Aufwand machen. Also haben wir das Wägelchen einfach schnell und zu meiner Zufriedenheit repariert. Klar kommt es wie es kommen muss: Vierzehn Tage später lag es wieder im Graben. Das war gemein, es hätte doch wenigstens bis zum Sommer gutgehen können!

heuinhuetteNoch eine Reparatur gab es nicht. Der Winter war ja eh fast vorbei und so haben wir das Heu eben in der Raufe in der Hütte vorgelegt. Mehr Arbeit ist das natürlich schon.

Später in 2015, im November, habe ich es dann endlich geschafft, ein richtiges Vordach für das Wägelchen zu bauen, welches nicht als Tragfläche funktioniert. Leider fehlte (aus Berufsgründen) aber die Zeit, noch ein paar ordentliche Trapezbleche draufzumachen. Es gab halt wieder nur die provisorische Plane.

Immerhin hat diese Konstruktion aber bis jetzt diverse Stürme überstanden und wäre auch gar nicht in der Lage, das Dach ernsthaft anzuheben, sondern würde wohl vorher einfach in Fetzen davonfliegen.

Zu reparieren gibt es natürlich immer etwas: Das Verkaufswägelchen war ja bereits letztes Jahr in Dienst gestellt worden. Natürlich wurde auch hier recycelt, der große Einbaukühlschrank war gebraucht. Nun hatte der Thermostat den Geist aufgegeben und es kühlte nicht mehr. Zum Glück war die Saison noch nicht in Gang und ich hatte genügend Zeit, um in Ruhe an einer Lösung zu basteln.

Raspberry Pi B+Dazu will ich ein wenig in elektronische Details abschweifen, vielleicht will ja mal jemand ein ähnliches Projekt bauen: Grundlage der neuen Steuerung ist ein Raspberry Pi, das ist ein vollwertiger Computer im Scheckkartenformat.

Über einen Seriell-zu-USB-Adapter wurden drei Temperatursensoren angeschlossen, zum Zuge kam dabei die sogenannte One-Wire-Technik. Man kann die Sensoren wohl auch direkt an der Raspberry anschließen, aber ich habe die zuverlässigere Version verwendet, mit einer kleinen externen Schaltung. Die Sensoren werden nun in regelmässigen Abständen von einem Python-Script ausgelesen und die aktuelle Temperatur in einer MYSQL-Datenbank gespeichert. Ist- und Sollwert werden verglichen und dann schaltet der Raspberry mit Hilfe eines Funkmoduls über eine Funksteckdose den Kühlschrank ein- oder aus.

Außerdem wird eine hübsche Grafik der Raum-, Kühlschrank- und Vitrinentemperatur erstellt, die dann auch gleich unserer Temperaturüberwachungs- und Dokumentationspflicht genüge tut. Das Ganze kann mit Hilfe eines herkömmlichen Webbrowsers angeschaut werden. Wenn ich kann, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bei ähnlichen Projekten!

Wollen wir noch kurz bei der Technik bleiben? Einen Ratschlag möchte ich nämlich noch unbedingt loswerden: Es dreht sich um die Solarenergie. Wir benötigen auf den Weiden zuverlässige 12 V für das Weidezaungerät, trotz überschaubarer Zaunlänge ist das immer mal wieder eine Herausforderung: Insbesondere für Anke ist es kaum machbar, die große, alte Dieselbatterie zum Aufladen auf den Hof und anschliessend wieder zurück zu befördern.

WeidezaunWir hatten immer gegeizt und uns um die Anschaffung einer Solaranlage gedrückt, da ich große Zweifel hatte, ob in den hiesigen Breiten die Sonnenscheindauer wohl lang genug wäre, um uns wirklich die Akku-Schlepperei abzunehmen.

Nun waren aber unsere Böcke zum x-ten Mal auf Tour gegangen, die Batterie war mal wieder leer gewesen und das bleibt nicht lange unbemerkt. Zum Glück kennen sie den Weg zum Hof (Mädels!) genau und ein unerschrockener Passant hat ihnen dann wohl das Hoftor auf- und hinterher auch wieder zugemacht, so dass sie erstmal von der Straße runter waren. Dafür an dieser Stelle unseren allerwärmsten Dank!

Was der beherzte Helfer natürlich nicht wissen konnte: Der Weg auf die Wiese hinterm Haus war zugesperrt und so haben die Jungs es sich dann ersatzweise auf unserer Veranda - dem einzigen Stückchen Garten, das eigentlich nur für uns da ist (naja, und für die Hühner...) - mal so richtig gemütlich gemacht. Findet man hier doch auch allerlei Grünzeug, das auf keiner Weide wächst!

Das war genug, es musste endlich eine dauerhafte Lösung der Stromfrage her! Nach einigen Recherchen kam ich zu dem Schluss, dass ein 50 W-Panel eigentlich ausreichen sollte. Das gibt es natürlich fertig zu kaufen, fängt irgendwo bei 350.- € an. Indiskutabel, wieviel Käse sollen wir denn da verkaufen? Also bei ebay ein Panel und einen Regler bestellt, kommt auf 70.- €, dann noch ein bisschen Kabel und Arbeitszeit und was soll ich sagen? Wir sind begeistert! Im Sommer reicht diese Konstruktion locker, um das Weidezaungerät immer auf "volle Pulle" zu halten. Im Winter darf es ein bisschen mehr Solar sein, aber wir haben keine Sekunde gezögert, einfach nochmal 50 W dazuzupacken und sind seither rundum sorglos - nie wieder Batterien schleppen!

ThorstenSo, eigentlich wollte ich noch einige Tiergeschichten erzählen, da gäbe es ja viele. Ich muss hier aber leider zu einem etwas abrupten Schluss kommen, wenn der Artikel noch in zeitlichem Zusammenhang mit dem neuen Jahr erscheinen soll. Es gibt nämlich schon wieder Notfälle: Heute hat es doch tatsächlich angefangen zu schneien.

Dummerweise haben die Hühner das nicht so richtig kapiert und sitzen nun über den Garten verteilt in diversen Notunterkünften. Sprich in Nachbars Schuppen, unter Büschen und alten Anhängern. Zu allem Überfluß sind unsere neuesten Mitbewohner, Lothar & Thorsten, zwar hübsch, aber nicht sehr viel intelligenter als Hühner, so dass wir jetzt erstmal ausrücken müssen, um die Bande wieder einzusammeln.

Es sind also noch ein paar Bilder übrig, die hebe ich mir noch ein wenig auf. Vielleicht finde ich ja Gelegenheit, hin und wieder mal die Geschichte dazu zu erzählen. Das ist zumindest mein guter Vorsatz für 2016 ;-)

Unseren treuen Zeegenhoff-Freunden wünschen wir einen guten Start ins neue Jahr! Es wird auch diesmal mit Sicherheit wieder spannend werden und wir freuen uns, Euch in der neuen Saison wieder zu begrüßen! Ein bisschen sitzen wir ja schon auf Kohlen, denn bald wird die Schlagzeile wieder heißen: Die neuen Zicklein sind da!

Jörg & Anke

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Etienne am GrabenTragende Ziegeneugeboren 3Edgar Wallace ZickleinZicklein wiegen

Tolle neue WeltYippiehhh!Wir sind coolKuscheln ist toll!

Schon wieder im GrabenDer neue HeuwagenUnterstand fürs Heu

TemperatursensorSender 433 MHzKuehlschrank plot

Solarpanel solar4solar3

Pfauen und Hühner