schmeißfliegenartiges: Hat er den einen Lästling mit einem beherzten Hornstoß weggeschubst (zimperlich sind die Jungs ja wirklich nicht) naht schon der nächste Frechling, der ihm auf die Nerven gehen will. Etienne ist ein gestandener Thüringer Wald Ziegenbock, hat etwa 120 kg und ist lammfromm.

Im großen und ganzen ist es auf der Bockweide daher sehr harmonisch und man verträgt sich auch um den Aufenthalt im Bauwagen gut: 2014 hatten wir einen starken Bocküberhang, ein sogenanntes "Bockjahr". Noch dazu waren ein zweiter ausgewachsener Bock mit zwei Jahren und zwei Einjährige irgendwie dem Schlachter entronnen. Alles in allem also zwei ganz große, zwei mittlere und 16 kleine Böckchen. In unserem Bauwagen ist - wie in den Ställen für die Mädels - ein Podest eingebaut, das macht das Platzangebot entspannter. Trotzdem schien uns der Raum viel zu klein, um bei Schlechtwetter alle Jungs zu beherbergen. Also haben wir mit einiger Mühe noch einen alten Pferdeanhänger besorgt und daneben gestellt, damit auch wirklich jeder ein Dach über dem Kopf hat.

Diesen Aufwand hätten wir uns getrost sparen können! Denn wenn es anfängt zu tropfen, dann passen 20 Böcke selbstverständlich allesamt und innerhalb weniger Sekunden in einen Bauwagen! Das macht es auch gleich viel gemütlicher und kuscheliger. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie die Bude nach ein paar Tagen mit schlechtem Wetter müffelt - aber was kratzt das eine echte Männer-WG?

Irgendwann kommt nach der Sommerfrische aber die Zeit, wo jeder Bock das tun muss, wozu er da ist. Das heißt bei den einen, dass sie einen Ausflug zur Schlachterei machen und als Salami zurückkehren. Sehr traurig, aber sie hatten bis dahin wenigstens einen schönen Sommer. Und die Salami ist lecker.  Die, die mehr Glück hatten, werden nach und nach von ihren neuen Besitzern abgeholt. Das waren dieses Jahr gottseidank die meisten. Zwei von den kleinen Jungs haben wiederum den Joker gezogen und dürfen bei uns, als Gesellschaft für Etienne, mit über den Winter kommen.

Leider kommt es immer wieder vor, dass Böcke alleine gehalten werden. Das ist nicht artgerecht! Auch in der freien Natur bilden die Böcke eine Herde, die sich nur zur Deckzeit zerstreut und dann natürlich rivalisiert. Also soll sich niemand über einen durchgeknallten Bock beklagen, wenn er ihn alleine in irgendeinen Verschlag sperrt, möglichst noch in Riech- oder Hörweite der weiblichen Ziegen!

Etienne, unser stolzer Zuchtbock, soll nun seiner Aufgabe nachkommen und hübschen Nachwuchs produzieren. Derweil ziehen die Zicklein, die noch zu klein zum decken sind, in einen anderen Stall in der Nachbarschaft. Raus können sie in dieser Zeit dann kaum noch: Der Deichverband hat uns im Rahmen der Verbreiterung des Deiches die Weideflächen aussendeichs weggenommen, so dass uns nur noch ein kleines Stück hinterm Haus zur Verfügung steht. Da wir aufgrund Widerborstigkeit gegen den Deichgrafen in Ungnade bei selbigem gefallen sind, werden wir da wohl auch nie wieder drankommen.

Der große Kerl ist jetzt also auf dem Hof und wohnt bei seinen Damen. Das gefällt ihm natürlich, und wie jeder echte Kerl muss er ein bisschen angeben: Das macht er in erster Linie mit seinem Eau-de-Cologne: Er pinkelt sich gezielt in den Bart. Für eine olfaktorische Abrundung sorgen die Drüsen zwischen den Hörnern, und es bietet sich an, selbige überall zu schubbern wo es nur geht. Leider übersieht er aber immer wieder, dass da die großen Hörner und seine Kraft doch einen beträchtlichen Schaden anrichten können. Sicher keine böse Absicht, grummelgrummel. Jedenfalls ist regelmässig eine mittlere Renovierungsaktion angesagt, wenn er wieder ausgezogen ist.

Dafür macht er seine Sache gut, die Mädels finden ihn toll und kommen schnell in die richtige Stimmung. So hat er innerhalb von 10 Tagen alle seine Angebeteten glücklich gemacht. Jetzt wird er noch einige Zeit dableiben, falls es bei der einen oder anderen doch noch nicht richtig geklappt hat. Das ist zwar selten, da er sich jeweils mehrfach bemüht. Aber an einem Stresstag, an dem 3 Ziegen gleichzeitig brünstig sind, kann den Spermien dann schon auch mal die Puste ausgehen.

Und so nähern wir uns langsam der Winterpause und freuen uns schon auf den Tag, an dem wir verkünden können: Das erste Zicklein ist da!

Hier noch einige Impressionen aus dem spätsommerlichen Niederbüren:

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